Ein Abt ist der Oberste einer Abtei. Er leitet die Mönchsgemeinschaft im Gebet, in der Arbeit und im brüderlichen Zusammenleben. Als geistlicher und administrativer Leiter wacht er über die Einhaltung der Klosterregel. Unser Abt steht zudem an der Spitze der Benediktinerkongregation von Solesmes, zu der nicht weniger als 31 Abteien oder Priorate auf drei Kontinenten gehören.
Dom Geoffroy Kemlin
Dom Geoffroy Kemlin, geboren am 24. März 1979, trat zunächst in das Kloster Notre-Dame de Fontgombault ein, legte am 8. September 2003 in Solesmes seine Ordensgelübde ab und wurde am 16. Oktober 2010 zum Priester geweiht. Er wurde 2015 zum Prior ernannt und am 17. Mai 2022 zum siebten Abt unseres Klosters gewählt. Mit seinem Motto aus Psalm 132, „Fratres in unum“, das man mit „Brüder, vereint!“ übersetzen könnte, weist er uns einen Weg des brüderlichen und gemeinschaftlichen Lebens, der uns ermutigt, vereint in der Nachfolge Christi und des heiligen Benedikt zu wandeln.
Dom Philippe Dupont
Dom Philippe Dupont ist 1946 geboren und wurde am 2. Oktober 1992 zum Abt gewählt. Sein Wahlspruch Quæ sursum sunt sapite, „Richtet euren Sinn auf das Himmlische“ (Kol 3, 2) zeigt, wie er am klösterlichen und kontemplativen Ideal von Solesmes festhält. Auf seine Bitte hin hat der Bischof von Le Mans den Seligsprechungsprozess von Dom Guéranger eingeleitet und das Verfahren eröffnet.
Im Jahr 1997 unternimmt Dom Dupont die Gründung eines Klosters in Litauen und entsendet 10 Mönche aus Solesmes nach Palendriai. Am 7. Juni 2002 erfolgt die Kirchweihe des neuen Klosters.
Aufgrund seines Alters und seiner Gesundheitszustand hielt er für angebracht, am 19. April 2022 sein Amt niederzulegen und die Leitung der Klostergemeinschaft einem jüngeren Mitbrüder zu übergeben.
Dom Jean Prou
Dom Germain Cozien
Dom Germain Cozien ist 1878 geboren und wurde 1921 zum Abt gewählt. Da die politische Lage für eine Rückkehr in Frankreich günstig war, führte er bereits im folgenden Jahr die Gemeinschaft nach Solesmes zurück. Einige Mönche bleiben dennoch in Quarr, da es ihm am Herzen lag, die monastische Linie seiner Vorgänger zu befolgen. In vinculo pacis hieß sein Wahlspruch, Im Frieden geeint.
Nach der Rückkehr der Gemeinschaft von Solesmes an die Sarthe, kommt es zu zahlreichen Berufungen. Nach einer derart langen Abwesenheit waren Renovierungen erforderlich geworden; der Architekt Dom Bellot baut die Bibliothek und den neuen Kreuzgang. Die Bauten sind bereit für das hundertjährige Jubiläum der Kongregation, welches 1937 festlich gefeiert wird. Kurz danach bricht der Krieg aus; im Kloster verbleiben nur einige wenige alte und vom Militärdienst befreite Mönche. In Juni 1940 fallen drei Mönche auf dem Schlachtfeld, während viele andere zu Kriegsgefangenen werden. Mit beeindruckender Gelassenheit hält Dom Cozien die Kriegs- und Okkupationsschwierigkeiten aus. Mit dem Frieden kehren die Gefangenen zurück, und mit neuem Eifer geht das klösterliche Leben weiter.
Aufgrund steigender Zahlen junger Mönche beschließt die Gemeinschaft 1948 eine neue Gründung in der ehemaligen Abtei zu Fontgombault am Creuse. Die letzten Jahre der Amtszeit von Dom Cozien zeichnen sich durch den Bau eines neuen Flügels aus, der sich an das Gebäude aus dem 19. Jh quer anlegt. Am 18. Mai 1960 – kaum ein Jahr nach seinem Rücktritt – stirbt Dom Cozien.
Dom Paul Delatte
Dom Paul Delatte ist im Jahr 1848 geboren. Auch er war Prior, als Dom Couturier starb. In Fortführung seiner Vorgänger war der erste Wunsch des neuen Abtes, die Seelen auf Gott hin auszurichten. Er war sich der Klausurnotwendigkeit für ein ernsthaftes Mönchtum bewusst und so sorgte er dafür, dass die Gemeinschaft wieder ins Kloster einziehen konnte. Am 23. August 1895 ist es schließlich soweit: erneut läuten die Glocken.
Doch die Klostergebäude werden aufgrund steigender Eintritte schnell zu klein. Zügig und imposant werden neue Gebäude errichtet. Am 21. März 1896 fand die Weihe und Grundsteinlegung des riesigen Bauobjekts oberhalb der Sarthe statt. Bereits 1898 wird dieser Teil fertiggestellt. Zeitgleich erfolgen zwei Gründungen: 1895 wird das Kloster Saint-Michel zu Farnborough in der Nähe von Londres gegründet, 1897 das Kloster Sainte-Anne zu Kergonan bei Plouharnel in der Bretagne.
Am 1. Juli 1901 werden die friedlichen Jahre unterbrochen. Das Vereinsgesetz – eigentlich ein Gesetz gegen die Kongregationen – zwingt Dom Delatte und seine Mönche, ins Exil zu gehen. Bewegt verlassen sie am 20. September Solesmes, um nach England, in die vor dort angebotene Freiheit zu gehen. Im Süden der Insel Wight wird das Schloss zu Appuldurcombe ein Zufluchtsort. Die „Famille de Juigné“ kauft die Abtei von Solesmes, in der Absicht, sie so bald wie möglich den Mönchen zurückzugeben. 1908 besiedelt die Gemeinschaft die ehemalige Abtei zu Quarr, im Norden der Insel, wo Dom Paul Bellot ein neues Kloster aufbaut.
In der Stille und im Frieden des Exils erfahren die Mönche die Lehre und Bildung ihres Abtes. Alle schätzen seine Qualitäten: eine lichtvolle Intelligenz, eine mit feinem Gespür gemischte Güte, einen gereiften Glauben. Tief und nachhaltig hat Dom Delatte die Gemeinschaft geprägt. Schon zu seinen Lebzeiten ist ein Teil seiner Lehre veröffentlicht worden: der Kommentar zur Regel des hl. Benedikt, sowie Bibelauslegungen: Das Evangelium unseres Herrn, Die Briefe des hl. Paulus. Schließlich veröffentlichte Dom Delatte eine immer noch aussagekräftige Biographie über Dom Guéranger.
1921 trat Dom Delatte von seinem Amt zurück. Er starb im Jahr 1937 in Solesmes.
Dom Charles Couturier
Dom Charles Couturier. Geboren im Jahr 1817, er war Prior – also der Stellvertreter des Abtes – als Dom Guéranger starb. Am 11. Februar 1875 wurde er als dessen Nachfolger gewählt. Die Amtszeit dieses weisen und umsichtigen Menschen begann unter glücklichen Voraussetzungen, da das Kloster nur damit beschäftigt war, das Erbe fortzuentwickeln. Von 1879 an verfolgt die französische Regierung eine antikirchliche Politik. Am 6. November 1880 verweisen Gendarmen die Mönche aus dem Kloster.
Knapp fünfzehn Jahre, mal mit Entspannung, mal mit Anspannung der Regierung, leben die Mönche außerhalb des Klosters. Die Gebetsstunden werden in der Pfarrkirche oder in der Abteikirche von Sainte-Cécile gefeiert. Die Mönche finden in etwa zwanzig Häusern des Dorfes bzw. der Umgebung Aufnahme. Von Gott Vorsehung unterstützt schaffen sie es, unter solch schwierigen Lebensumständen ihren unermüdlichen Eifer zu bewahren. Die Schwierigkeiten fördern positiv die Einheit der Gemeinschaft und ziehen sogar Berufungen an, was zu neuen Gründungen führt: 1889 entsteht in Wisques das Kloster Saint-Paul; nebenan findet sich das Kloster Notre-Dame, eine Gründung von der Abtei Sainte-Cécile. 1890 besiedeln einige Mönche das ehemalige Kloster Saint-Maur in Anjou.
Am 29. Oktober 1890 geht Dom Couturier in seinem Aufnahmehaus zu Solesmes zu Gott heim. Diese Situation widersprach aufs äußerte seinem Spruch Consortia tecta, den Georgischen Virgils entnommenen, der auf die in einem einzigen Bienenstock versammelten Bienen anspielt und dementsprechend deutlich macht, wie der Abt die Einheit der Gemeinschaft sah. Auch auf seinem Wappen war ein Bienenstock dargestellt.
Sa biographie a été publiée aux éditions de Solesmes, en 2011, par Dom Guy Frénod (1942-2018).
Dom Prosper Guéranger
1833 wird das klösterliche Leben in Solesmes durch Dom Prosper Guéranger, der am 4. April 1805 in Sablé geboren ist und daher Solesmes sehr gut kannte, wieder neu belebt.
Nach dem Besuch des Priesterseminars von Le Mans wird er am 1827 zum Diözesanpriester geweiht. Besonders begeistert ihn die Kirchengeschichte. Die Entdeckung einer vom aufblühenden Mönchtum geprägten Vergangenheit, sowie die Auseinandersetzung mit den hervorragenden Werken der Mauriner, wecken in ihm die Sehnsucht nach einem klösterlichen Leben. Als er 1831 vom drohenden Abriss des Priorats in Solesmes erfährt, kauft er, unterstützt durch seinen Bischof und Freunde, das Anwesen, um dort selbst das benediktinische Leben zu führen. Trotz vieler anfänglicher Schwierigkeiten mietet er das Kloster und zieht am 11. Juli 1833 zusammen mit drei Gefährten ein. Die kleine Gemeinschaft hat weder Geld noch einen Ruf, um Nachwuchs anzuziehen. Zudem fehlt die Erfahrung im klösterlichen Leben. Der erst 28 Jahre alte Obere besitzt selbst nur theoretisches Wissen darüber. Doch war das Unternehmen kein blinder Wahn, sondern ein Glaubensbekenntnis. Durch ein gutes benediktinisches, liturgisches und geistliches Gespür wird der junge Prior seinen Mönchen schnell zu einem lebendigen Beispiel.
Im Jahr 1837 wird die Gemeinschaft von Solesmes durch den Hl. Stuhl offiziell als authentisch benediktinisch anerkannt. Das kleine Priorat wird zur Abtei und zum Mutterhaus der neu gegründeten „Congrégation de France“ erhoben. Wenige Tage später, am 26. Juli, legt Dom Guéranger seine feierliche Profess in die Hände des Abts von der Abtei S. Paolo fuori le mura in Rom ab.
Im Jahr 1866 gründet Dom Guéranger zusammen mit Cécile Bruyère in der Nähe der Abtei Saint-Pierre die Abtei Sainte-Cécile, woraus sich der Frauenzweig der Solesmer Kongregation entwickelt.
Dom Guéranger Schriften und seine Lehre sind zutiefst von der Kontemplation des Menschwerdungsgeheimnisses geprägt. Besondere Aufmerksamkeit lenkt er auf die Liturgie, deren Spiritualität er den Gläubigen in seinem berühmtesten Werk L’Anné liturgique (Das liturgische Jahr) zu erschließen sucht. Dom Guéranger gilt als Bahnbrecher der liturgischen Bewegung des 20. Jh. Ebenfalls veröffentlicht er die Institutions liturgiques (Liturgische Institutionen), wo er die Beziehungen zwischen der Liturgie, dem Glauben und der Einheit der Kirche erläutert. Mit diesem Werk trug Dom Guéranger zur Rückkehr der französischen Diözesen zur römischen Liturgie bei.
Besonders verehrt Dom Guéranger das Papsttum. Sein Gutachten Mémoire sur l’Immaculée Conception (Gutachten über die Unbefleckte Empfängnis) erregt die Aufmerksamkeit vom Papst Pius 10., der ihn schließlich dazu auffordert, sich am Vorbereitungsausschuss des marianischen Dogmas zu beteiligen. 1870, während des ersten Vatikanums, legt Dom Guéranger in La monarchie pontificale (Die Papstmonarchie) die Belege aus der Tradition zugunsten der Unfehlbarkeit des Papstes dar.
Von ebenfalls ausgeprägter Intensität ist die Herz-Jesu-Frömmigkeit, die Dom Guéranger für das beste Hilfsmittel gegen den Jansenismus hält. Aus diesem Grund widmet er sich besonders den Schriften der hl. Gertrud und anderen Autoren der Mystik.
Seit 1862 regt Dom Guéranger eine Gruppe seiner Mönche dazu an, gründlich die Quellen der liturgischen Kirchengesänge zu erforschen. Damit bahnt er der Abtei von Solesmes den Weg, der zu einer Restaurierung der Gregorianik und zur Neuauflage deren Repertoires führen sollte.
Am 30. Januar 1875, im Alter von nur 69 Jahren, stirbt Dom Guéranger. Sein Leichnam ist in der Krypta der Abteikirche bestattet; sein Herz ruht in der Abteikirche von Sainte-Cécile zu Solesmes.
Es wurden mehrere Biografien über Dom Guéranger verfasst, um sein Leben und sein Werk bekannt zu machen. Sein Seligsprechungsverfahren, das seit XXXX läuft, wird derzeit vom Bischof von Mans geprüft.
Seligsprechungsverfahren für Dom Prosper Guéranger
Gott, unser Vater, dein Diener Dom Prosper Guéranger, Abt von Solesmes, der auf den Heiligen Geist hörte, hat es einer Vielzahl von Gläubigen ermöglicht, den Sinn der Liturgie, die Quelle des wahren christlichen Geistes, wiederzuentdecken. Möge seine Hingabe an die Heilige Kirche und seine kindliche Liebe zur Unbefleckten Jungfrau, die aus dem Geheimnis des fleischgewordenen Wortes entspringen, den Christen unserer Zeit ein Licht sein. Gewähre uns, Herr, die Gnade, um die wir durch seine Fürsprache bitten, damit seine Heiligkeit von allen anerkannt werde und die Kirche uns so bald wie möglich erlaube, ihn als einen deiner Seligen und Heiligen anzurufen. Durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.